Die Säuberungswelle in den Meinungsmonopolen

2021-01-18

Eine Zensur findet doch statt (VIII)

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Wenn Macht von denen ausgeübt wird, die keinerlei Kontrolle unterliegen, wird das zum Problem. Die zentralen Monopole sind nicht nur nicht demokratisch legitimiert, sie entziehen sich – anders als absolutistische Herrscher früher – ganz der öffentlichen Wahrnehmung. Der Prozess dorthin läuft schon lange und auch abseits der wenigen bekanntn Namen.

Eine Haupteigenschaft des WWWeb ist seine unübersichtliche Weite. Im Gegensatz zur täglichen Morgenzeitung ist es für den einzelnen a priori nahezu unmöglich, für einen handhabbaren Umfang an Lesestoff das relevante und wichtigste zu finden und auszuwählen. Wenn ein lesenswerter Kolumnist in der Zeitung nur ein- oder zweimal im Jahr schreibt, ist das gar kein Problem, ich sehe ihn. Gilt dasselbe für einen Blogger, habe ich ohne Hilfsmittel so gut wie keine Chance, seine Texte zu finden. Genau deshalb wurden schon vor langer Zeit die RSS-Feeds erfunden. Mein Rechner beobachtet für mich die von mir markierten Quellen und benachrichtigt mich über alles neue. Ohne Aufwand für mich dürfen es durchaus sehr viele und weit verstreute sein, auf denen man selten etwas neues findet. In gewisser Weise eine persönliche Tageszeitung: Wirtschaftsteil der einen, Regonalteil einer anderen und politische Kommentare einer dritten und – entgegengesetzten – vierten. Noch vor gut zehn Jahren wurden deshalb Feeds ausnahmslos von allen großen Browsern nativ unterstützt – heute von keinem einzigen mehr. Ja, es gibt Add-Ons und Zusätze, die muß man kennen, zu finden wissen und bewußt installieren. Still und heimlich wurde dem weiten, freien, für alle zugänglichen Web ein großer Teil seiner Optionen und Möglichkeiten kastriert. Stattdessen gibt es die in Orwellschem Neusprech „soziale Medien“ genannten Monopole, die dem Leser zuteilen, was gut für ihn ist, und ihn von allem abschirmen, was sein gelenktes Denken von der Einheitsbahn abweichen lassen könnte.

Zunächst war eine jede von ihnen nur eine Seite im Netz; es gab andere, die Idee das Netz monopolisieren zu können schien absurd. So konnten sie über mehr als ein Jahrzehnt auch und vor allem über die oben geschilderten Mechanismen und andere verwandte ihre Position ausbauen. Dieser Prozeß ist jetzt abgeschlossen. Sie brauchen sich nicht mehr zu verstecken sondern können ihre erworbene Macht offen ausspielen. Wie in jeder Diktatur gilt auch hier, wenn man sie erkennt ist es schon zu spät. Mit den lange bewährten Mitteln der zentralen Propaganda regt sich auch gegen die jetzt ganz offen durchgeführten Säuberungen nicht nur keinerlei breiter Widerstand sondern sie werden allgemein bejubelt und veröffentlichte Kritik nur daran geübt, daß sie angeblich zu spät kämen und es lange an der Zeit gewesen sei.

Natürlich bin ich bei weitem nicht der einzige, der das sieht und schon gar nicht der erste. Im Gegenteil, ich stehe auf zahlreichen Schultern. Wie oft findet sich eines der durchdachtesten Gesamtbilder und eine der besten Überblicksdarstellungen bei Daniel Greenfield .

Nichts ist frei in einem von einer Big-Tech-Oligarchie dominierten Markt, beherrscht von einer Handvoll riesiger Ketten, multinationaler Konzerne und Fassaden, hinter denen chinesisische Wirtschaftinteressen stehen.

Wie konnte es dazu kommen? Die Politik hat ihren Teil beigetragen:

Konservative sehen die Unternehmenswelt als einen freien und amorphen, strukturlosen Markt an während Linksgerichtete zwischen freundlichen und unfreundlichen Firmen unterscheiden.

Konservative haben von Firmen der Wirtschaft nie verlangt, ihre politischen Ansichten zu übernehmen. Linksgerichtete machten es obligatorisch und gründeten innerhalb und außerhalb der Konzerne aktive Interessenverbände, um Druck auszuüben und sie durchzusetzen.

In all dem findet Greenfield dennnoch Anlaß zum Optimismus:

Der Kampf um die Konzerne ist, anders als um die Medien und die akademische Welt, noch nicht verloren. Aber er muß tatsächlich aufgenommen und geführt werden. Big Tech sind nicht so mächtig wie sie scheinen, sie sind verwundbar und beunruhigt.

Genau deshalb haben sie abgewartet, bis sie sich einer demokratischen Mehrheit im Senat sicher sein konnten, bevor sie ihren großen Vorstoß gegen Trump ausführten. Das ist ein Zeichen für Schwäche, nicht Stärke.

Ich teile diese Hoffnung nicht. Schon Polybios beschrieb, fußend auf Plato, den Kreislauf, der stets von der Domokratie über die Ochlokratie zur Diktatur mündet. Ja, es gibt echten Fortschritt in der langfristigen Kulturentwicklung und manche Zwänge konnten dauerhaft gelöst werden. Die heutige Informationstechnik hat das Spielfeld entscheidend verändert. Im derzeitigen Zustand allerdings stärkt sie die Monopole und schwächt die Freiheit. Mögen wir von späteren Generationen als früher Teil des sich bildenden Widerstandes gesehen werden.

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