Emissionsfreier Strom

2026-02-20

Zwei Zeitungsmeldungen an einem Tag.

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Der Kölner Stadt-Anzeiger verkündet:

Größtes innerstädtisches Solar-Kraftwerk wird zwölf Hektar groß. Grüner Strom für tausende Haushalte.

Ich würde gerne einen dieser Haushalte kennenlernen und mich über deren Leben im Jahres- und Tagesgang unterhalten, z.B. wie gut man nach Sonnenuntergang ohne elektrisches Licht, ohne Radio und Fernsehen und ohne z.B. einen heißen Kakao auskommt.

Charakterisierend für eine Stadt sind die dichtgelegenen Dächer und sonst versiegelten Flächen. Die kann man ohne zusätzlichen Flächenverbrauch mit Schattenspendern belegen. Mit der Bevölkerungsdichte des Bezirks Ehrenfeld gerechnet verhindert eine Flächenbelegung von 12 Hektar Wohnungen für 520 Personen, gerechnet mit der Dichte des Stadtteils Ehrenfeld sind es mehr als doppelt so viele. Freiflächen sind in einer Stadt wichtig, aber zwischen aufgeheiztem Stahl und Glas und dem Adenauerschen Grüngürtel besteht ein sehr erheblicher Unterschied.

Am selben Tag steht in der Taz:

„Die Erneuerbaren sind systembestimmend“, erklärte Heinen-Esser, „bis 2030 sollen sie 80 Prozent des Strombedarfes decken.“ Aktuell sind es erst 56 Prozent.

56 % der gesamten Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen klingt nach einem großen Erfolg. Da Wind und Sonne, zumindest offiziell, kein reiner Selbstzweck sind, sollte man ein Ergebnis sehen. Auf den Seiten von Agora Energiewende kann man sich Verläufe als Monatswerte von 2012 bis heute anzeigen lassen. Die Emissionen aus der Stromerzeugung sind im gesamten Zeitraum grob von 480 auf 360 g/kWh gesunken. Das ist weniger als die reine Umstellung von Kohle auf Gas erwarten läßt. Woher also kommt der tatsächlich große Abfall von 30 auf 10 Mt/Monat?

Kohlendioxidemission absolut und pro kWh

Zum einen ist es der gesunkene Verbrauch. Er fiel von rund 50 auf rund 40 TWh/Monat. Wesentlich wichtiger ist aber der Außenhandel, denn gezählt wird für die Gesamtemission nur die Erzeugung nicht der Verbrauch. Vor 2020 wurden rund 5 TWh/Monat exportiert und heute 2.5 TWh/Monat importiert. Der Übergang vom Ex- zum Import reduziert die Emissionen nicht sondern verlagert sie nur. Das Kohlendioxid entsteht dann in derselben Menge woanders. Der Monatssaldo schönt die Zahlen zudem deutlich, denn die kostenpflichtig verklappten Überschüsse an Sommerwochenenden zählen als Export und werden vom realen Import abgezogen. Der frühere Export waren echte Käufe von Strom, der gebraucht wurde, aus effizienten und sauberen Kraftwerken mit geringerer Emission als im Empfängerland.

Verbrauch

Deutschland erzeugt also heute Strom nicht emissionsärmer als 2012 sondern einfach viel weniger davon. Dementsprechend würde eine Verschiebung des Verkehrs und der Gebäudeheizung zum elektrischen Betrieb auch nicht annähernd die propagierten Einsparungen erbringen.

Stromaußenhandel

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