Verlauf der gemeldeten Covidfälle in Köln

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Da es sonst niemand tut, und unsere Qualitätsmedien schon gar nicht, zeige ich hier ab heute (17. März, korr.) den Verlauf der Covid-19 Epidemie für Köln. Meine Datengrundlagen sind die Übersichtsseite des Kölner Stadt-Anzeigers und die der Stadt Köln . Dargestellt ist – als dekadischer Logarithmus – die Zahl der jetzt akuten, positiv getesteten Fälle, also alle jemals Gemeldeten abzüglich der Verstorbenen und abzüglich der als geheilt Entlassenen. Daneben zeige ich fünf daraus errechnete Regressionsgeraden:

  1. Der ursprüngliche Trend bis einschließlich Tag 19. Die Verdoppelungszeit von 2.6 Tagen entspricht einem Reff von ca. 2,9[1].
  2. Der Abfall von Tag 36–63, vom 5. April bis 2. Mai. Die Halbwertszeit beträgt ca. 9 Tage und entspricht einem Reff von ca. 0,75.
  3. Den allmählichen Wiederanstieg den ganzen Sommer hindurch von Tag 93 (1. Juni) bis Tag 246 (1. November). Die Verdoppelungszeit von 29 Tagen entspricht einem Reff von ca. 1,10.
  4. Den ab Dezember klar erkennbaren Trend vom 1. November an bis zum Aschermittwoch, 17. Februar = Tag 354. Die Halbwertszeit von 73 Tagen entspricht einem Reff von ca. 0,96.
  5. Zuletzt den Wiederanstieg der dritten Welle seit Aschermittwoch. Die anfängliche Verdoppelungszeit liegt bei 31 Tagen.

Es ist ein unaufbereiteter Screenshot meiner alten und einfachen Tabellenkalkulation.

Verlauf der Covid-19 Fälle in Köln

Seit Anfang Februar meldet die Stadt Köln auch die Zahl der gefundenen Varianten aus Großbritannien und Südafrika – natürlich nur als völlig sinnlose Absolutwerte, an denen man direkt gar nichts erkennt. Heute, am 2. März bin ich jetzt Tag für Tag zurückgegangen und habe die Zahlen extrahiert. Lücken, vor allem die Wochenenden, mußte ich für die Graphik und die Regression interpolieren, was dank kumulativer Angaben leicht möglich war. Was auffällt, ist der unerklärlich steile Abfall der Wildform. Die Halbwertszeit von 36 Tagen paßt schlecht zum unten gezeigten, völlig glatten Verlauf der Gesamtzahl mit seit November konstanten ca. 75 Tagen Halbwertszeit. Angesichts der großen Schwankungen und kurzen Zeit sind die drei Trends nicht stabil, aber nach dem Bild von heute dürfte die britische Variante ab Mitte März in zwei Wochen die häufigste sein und das Gesamtbild dominieren.

Virusvarianten in Köln

Inzwischen liegen genug Daten vor, um ab heute, Dienstag 31. März, eine zweite Graphik zu erstellen. Ich zeige hier, wieder in logarithmischer Darstellung, die täglichen Zahlen der Krankenhaus- und der Intensivpatienten. (Die letztgenannten sind in ersteren enthalten.) Seit heute, 9. April, rechne ich die Regressionen ab Tag 365, dem 28. Februar und dem Beginn des Wiederanstiegs der Intensivfälle. Es fällt auf, daß die Trendlienie mit (am 9.4.) Verdoppelung alle 44 Tage nach oben verlassen wird.

Verlauf der Krankenhaus- und Intensivpatienten in Köln

Ganz zu Anfang, als noch völlig unklar war, wie und wieweit sich die Ausbreitung eindämmen läßt, wurde die Kapazität des Gesundheitssystems als die kritische Grenze angesehen. Deshalb habe ich für meine Statistik von Anfang an die Zahl der gleichzeitig Erkrankten zugrundegelegt. Nachdem die Eindämmung zunächst weit erfolgreicher war, als von irgendjemandem erwartet, ist jetzt die wichtigste Frage die nach einem neuen Ausbruch. Den sieht man deutlich klarer an der Zahl der täglich neu Infizierten. Wegen der sehr starken Schwankungen habe ich den Durchschnitt jeweils der letzten vier Tage als geglättete Kurve dazugezeichnet. Die Regressionsgeraden zeigen die sehr erfolgreiche Eindämmung im April und Mai, die um Mitte Juli die Epidemie lokal hätte besiegt haben können. Stattdessen sehen wir seit Anfang Juni einen absichtlich politisch gemachten, ungebremsten Neuanstieg. Wegen der starken Schwankung der Einzelwerte brauchen wir bei den Neufällen einen längeren Zeitraum, um eine aussagefähige Regression rechnen zu können. Dieser ist inzwischen (25. Okt.) lange erreicht. Die zweite bis vierte Gerade beruhen wie die im ersten Diagramm auf der Zeit vom 93. bis 246. Tag, vom 1. November bis zum 17. Februar und seit dem Aschermittwoch.

Zahl der täglichen Neuinfektionen in Köln

Stand am Abend des Mittwoch, 2021-04-21:

Auch wenn es die hochgeschätzte und kompetente Oberbürgermeisterin es bis heute (22. März) nicht wahrhaben will und keinerlei Konsequenzen zieht, befindet sich Köln seit Wochen unübersehbar in der dritten Welle. (Ja, die Wende trat um Karneval auf und ich hatte sie zunächst nicht sehen wollen.) Diese ist hier keineswegs allein von der schnellen Ausbreitung der britischen Variante getragen, auch die Wildform fällt nicht mehr und steigt sogar wieder. Auch der Trend der belegten Intesivbetten ist längst wieder nach oben gedreht. Bis jetzt sehen die Zahlen der südafrikanischen Form erfreulich aus, das dürfte aber kaum so bleiben. Wenn dieser Trend dreht, helfen uns auch die bereits erfolgten Impfungen nicht mehr genug.

Aufgrund der außerordentlich schlampigen und achtlosen Berichterstattung der Stadt ist es bei manchen Zahlenangaben nicht erkennbar, ob sie aktuell sind oder vom Vortag stammen. Zum Glück hat das für die Berurteilung der Verläufe wenig Bedeutung. Bei den Mutationen (scheinbar) fehlende Werte wurden für das Diagramm und die Berechnung interpoliert. Eine freie Presse sollte bei offensichtlichen Fehlern zurückfragen. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks gibt es weltweit fast nur noch in Nordkorea derart willfährige und kritiklose Mitteilungsorgane des Parteienblocks wie hier.

Am 11. April, wurde einmal wieder eine negative Zahl von -49 Personen aus der Isolation entlassen. Am 19. März, waren es -59 Personen. Nicht daß das der Journaille oder Pressestelle die geringste Rückfrage entlockt hätte oder die offensichtlich falsche Zahl der Isolierten später in der Tabelle korrigiert worden wäre – wozu auch? Information vorzutäuschen genügt vollkommen und dafür reichen Zufallszahlen.

Heute haben wir 216 Neuinfektionen und eine Inzidenz von 206. Dagegen stehen heute 280 Entlassungen und 3216 Personen in häuslicher Isolation[3]. Die Verdoppelungszeit der Wildform von heute 310 Tagen entspricht Reff = 1,01, die Verdoppelung der britischen Variante 22 Tage und Reff = 1,13 und die südafrikanische fällt mit 51 Tagen und Reff = 0,95.

Im Juli und August, als die täglichen Fallzahlen unaufhaltsam anstiegen und niemand das wahrhaben wollte, fand ich es instruktiv, sie dem längeren Mittel gegenüberzustellen. Das hat lange jeden Sinn verloren. Stattdessen stelle ich den Tageswerten jetzt (ab 28. Jan.) den korrekt gerechneten Wert der „Inzidenzzahl“ gegenüber. Nachkommastellen sind für einen so stark zufällig schwankenden Wert albern und sinnlos, also lasse ich sie weg. Seit Mitte Februar stimmten die vorher oft grob falschen Werte der Stadt bis auf einen kleinen, vernachlässigbaren Restoffset mit meinen überein, seit Anfang März laufen beide wieder auseinander. Seit April sind sie so grob falsch, daß einige offiziell gemeldete Zahlen gelogen sein müssen. Die Frage ist, welche.

Die Stadt meldet laut Stadt-Anzeiger von heute (Montag 28.) nur noch 35 freie Intensivbetten von laut DIVI insgesamt 378. Im März gab es zahlreiche Artikel zum Thema, die ich leider zu archivieren versäumt habe und die auf seltsame Weise allesamt aus dem Archiv verschwunden sind. Einen fand ich, zu einem anderen Thema , in dem die Intensivbetten nur in einem Nebensatz behandelt wurden und den Winston Smith übersehen haben muß:

Die Stadt halte aktuell 350 Intensivbetten vor, die Kapazität lasse sich bei einem schwerwiegenderen Verlauf in Köln schon jetzt auf 700 erhöhen, teilte Stadtdirektor Stephan Keller mit. Um auch für das Szenario gewappnet zu sein, dass 700 Intensivbetten nicht ausreichen, plane man ab sofort eine 500-Betten-Einrichtung für leicht bis mittelschwer Erkrankte, die zusätzlichen Sauerstoff, aber keine Beatmungsgeräte benötigen, auf dem Deutzer Messegelände. Kölner Stadt-Anzeiger, 2020-04-01

Wo sind denn heute, wo ihr Bedarf in bedrohliche Nähe rückt, alle diese potemkinschen Betten, für deren Bereitstellung monatelang vom Bund große Summen eingestrichen wurden? (350 Betten * 6 Monate * 30 Tage/Monat * 300 Euro/Tag*Bett = 19 Millionen Euro)

Es ist für den Bürger außerordentlich schwer wenn nicht geradezu unmöglich, sich aus dem undurchsichtigen Wust der offiziellen Medien ein klares Bild zu machen. Das einzige, was er zuverlässig und klar erkennen kann, ist, daß die Hälfte der ihm vorgesetzten Meldungen falsch sein müssen und er konsequent belogen wird. Wer will es überforderten Querdenkern übelnehmen, wenn sie daraus den einzig möglichen logischen Schluß zu ziehen versuchen?

Betrachtet man oben den Verlauf der Kölner Fälle dann erkennt man – auch ohne die das Auge führenden Hilfslinen – vier klare, gerade Trendverläufe unterbrochen von zwei Übergangsbereichen. Der erste davon war das Wirksamwerden der Maßnahmen und im zweiten fällt die Lockerung zusammen mit dem Kuddelmuddel der Neubewertung und Teilkorrektur der Daten. Der folgende, dritte Trend war seit Anfang Juni stabil und gerade durchlaufend, bis er Ende September als vierter deutlich nach oben ausbrach. Beginnnend Anfang November scheint sich ein fünfter Trend, ein Konstantbleiben der Fallzahlen anzudeuten.

Und zum Vergleich ganz Deutschland

Ab jetzt, Mitte September, werde ich auch die Vergleichswerte für ganz Deutschland zeigen. Seit Anfang November werden auch die täglich erneuert. Ab Mitte Juli prägt sich auch für ganz Deutschland der neue Anstieg aus. Darüber, ab wann er erkennbar wurde, mag man diskutieren – seit Anfang August ist er es in jedem Fall. Die Öffentlichkeit erfuhr davon gar nichts, vermutlich weil die Journaille und die talkpräsenten Berufspolitiker noch nie ein logarithmisches Diagramm gesehen haben und es auch nicht zu deuten wissen. Ab dem 4. November ist auch der Trend der Sterbefälle klar und eindeutig genug für eine aussagefähige Regressionsrechnung. Der Wiederanstieg der dritten Welle seit Karneval ist klar erkennbar, wird zunächst aber nicht separat berechnet.

Seit dem 25. März zeige ich hier fünf Regressionen:

  1. Den ersten erfolgreichen und vorzeitig abgebrochenen Abfall im April und Mai mit einer Halbwertszeit von 15 Tagen.
  2. Den Wiederanstieg von Tag 143–251, 21. Juli bis 6. November mit Verdoppelung alle 23 Tage.
  3. Die dritte Welle seit ihrem Beginn am Tag 343, 6. Februar (drei Tage vor dem Minimum). Die am 12. April gerechnete Verdoppelungszeit betrug 42 Tage.
  4. Der Steilanstieg der täglichen Sterbefälle von Tag 188–291, 4. September bis 16. Dezember mit einer Verdoppelung alle 11 Tage.
  5. Den Abfall der Sterbefälle ab Tag 343, 6. Februar.[4] Die Halbwertszeit lag am 12. April bei 37 Tagen mit einem deutlichen Trendbruch und Wiederanstieg seit drei Wochen.

Zum Vergleich Neu- und Todesfälle für ganz Deutschland

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1

Als weiterer freier Parameter geht in die Reproduktionszahl die Generationszeit ein, während die Verdoppelungszeit direkt und ohne weitere Annahmen aus den Daten folgt. Ich habe hier wie das RKI mit einer Generationszeit von vier Tagen gerechnet. Beide Werte beschreiben einen (abschnittsweise) exponentiellen Verlauf. Die Verdoppelungszeit ist die Zeit, in der sich der Wert jeweils verdoppelt und die Reproduktionszahl der Faktor, um den er alle vier Tage ansteigt. Sinnvoll ist die Angabe einer Reproduktionszahl also nur, solange der punktweise gerechnete Wert über eine gewisse Zeit konstant bleibt oder für Abschnitte, die wie oben in der logarithmischen Darstellung eine Gerade annähern. Als tageweiser Streuwert ist sie so aussagefähig wie die Temperaturen zweier Folgetage für eine Klimaprognose.

Die Reproduktionszahl ist hier eine sinnlose Angabe. Sie ist ein Parameter in detaillierten Modellbildungen und ein wichtiger Teil der Beschreibung und Charakterisierung eines Erregers in Medizin und Biologie. Hier, bei der reinen Beschreibung und Bewertung einer Ausbreitung aus Beobachtungsdaten, ist sie unpassend und verwirrt nur. Da aber staatliche Stellen neuerdings nur noch diese nennen, gebe ich sie zur besseren Vergleichbarkeit hier auch an.     Zurück

2

Der Trend hat im Rückblick von heute, Mitte Februar, zwar vor vier Wochen eingesetzt, klar erkennbar ist er angesichts der starken Schwankungen aber erst jetzt. Wer aus jeder Zufallschwankung eine Schlagzeile macht, wird im Rückblick zwar ab und zu auch recht gehabt haben, verwirrt und verunsichert seine Leser aber nur.     Zurück

3

Bis vorgestern habe ich als Nicht-Mediziner hier fälschlich von „Quarantaine“ gesprochen bis mich ein alter Freund dankenswerterweise korrigiert hat. In Quarantaine befinden sich nicht infizierte oder nicht getestete Kontaktpersonen. Bekannt Infizierte werden isoliert. Danke Roger.     Zurück

4

Der Beginn stimmt hier ohne sachlichen Grund mit dem des Wiederanstiegs der Infektionen überein, weil es zu mühselig wäre, in einer Tabelle zwei sich täglich ändernde Bereiche mit unterschiedlichen Abszissenabschnitten zu rechnen.     Zurück