Verlauf der gemeldeten Covidfälle in Köln

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Da es sonst niemand tut, und unsere Qualitätsmedien schon gar nicht, zeige ich hier ab heute (17. März, korr.) den Verlauf der Covid-19 Epidemie für Köln. Dieser Einleitungssatz stimmt nicht (mehr). Ich weiß nicht wie lange schon – ich habe die Seite gerade erst (2. April) gefunden – aber inzwischen zeigt auch die Stadt Köln (etwas versteckt) den Verlauf der Epidemie[1] im Überblick.

Meine Datengrundlage ist die Übersichtsseite des Kölner Stadt-Anzeigers . Dargestellt ist – als dekadischer Logarithmus – die Zahl der jetzt akuten, positiv getesteten Fälle, also alle jemals Gemeldeten abzüglich der Verstorbenen und abzüglich der als geheilt Entlassenen. Daneben zeige ich drei daraus errechnete Regressionsgeraden:

  1. Der ursprüngliche Trend bis einschließlich Tag 19. Die Verdopplungszeit von 2.6 Tagen entspricht einem Reff von ca. 2.9[2].
  2. Der Abfall von Tag 36–63, vom 5. April bis 2. Mai. Die Halbwertszeit beträgt ca. 9 Tage und entspricht einem Reff von ca. 0.75.
  3. Und den jetzt (18. Juni) klar erkennbaren Trend vom 27. Mai an.

Es ist ein unaufbereiteter Screenshot meiner alten und einfachen Tabellenkalkulation.

Verlauf der Covid-19 Fälle in Köln

Inzwischen liegen genug Daten vor, um ab heute, Dienstag 31. März, eine zweite Graphik zu erstellen. Ich zeige hier, wieder in logarithmischer Darstellung, die täglichen Zahlen der Krankenhaus- und der Intensivpatienten. (Die letztgenannten sind in ersteren enthalten.) Die für die beide Zahlenreihen errechneten Regressionsgeraden beginnen ab jetzt (13. April) mit Tag 29, der Aufnahme der Patienten aus Italien. Die beiden Diagramme verschiedene Skalenmaßstäbe und erlauben keinen direkten visuellen Vergleich der Steigungen.

Verlauf der Krankenhaus- und Intensivpatienten in Köln

Stand am Abend des Mittwoch, 2020-07-08:

Betrachtet man oben den Verlauf der Kölner Fälle dann erkennt man – auch ohne die das Auge führenden Hilfslinen – drei klare, gerade Trendverläufe unterbrochen von zwei Übergangsbereichen. Der erste davon war das Wirksamwerden der Maßnahmen und im zweiten fällt die Lockerung zusammen mit dem Kuddelmuddel der Neubewertung und Teilkorrektur der Daten. Der jüngste Trend ist inzwischen fast drei Wochen alt und deutlich ausgebildet. Ich setze den Beginn der Regressionsrechnung bewußt nicht auf das Minimum vom 4. Juni sondern auf den 27. Mai, meinen Tag 88, den letzten großen Sprung von 72 auf 55 Fälle und deutlich vor dem letzen Abfall. Das politisch motivierte Schönen und Optimieren von Stitistiken, bei dem es heute manche Wissenschaftler zu wahrer Meisterschaft gebracht haben, überlasse ich anderen.[3] Auch dann ist der Trend klar positiv und Reff deutlich größer als 1.

Seit jetzt acht Wochen, seit Anfang Mai, ist die tägliche Zahl der Neuinfektionen – heute 14, im Mittel 4,9 – praktisch konstant. Bisher wurde das durch die Entlassungen – heute 7 – überkompensiert. Damit ist bei jetzt nur noch 45 Personen in häuslicher Quarantäne zwangsläufig Schluß. Die Verdoppelungszeit – die Phase der Halbwertszeiten ist vorbei – von heute 122 Tagen entspricht Reff = 1.02. Es war offensichtlich, daß es so kommen würde, und es wird hier seit vier Wochen klar als zwangsläufig vorhergesehen. Inzwischen zeigt die Krankenhauskurve, aber nicht (mehr) die der Intensivstation, einen sichtbaren positiven Ausbruch aus dem Trend.

Auch den kompetenten, verantwortlichen Mitarbeitern der Stadt ist all das natürlich seit spätestens Anfang Juni vollkommen klar. Sie werden es ganz sicher auch so mitgeteilt haben. Von der politischen Spitze ist der Bürger also seit fünf Wochen konsequent und vorsätzlich belogen und im Unklaren gelassen worden. In den drei Tagen eisigen Schweigens der Pressestelle[4] wurden am relativ späten Montagabend im Stadt-Anzeiger Angaben für den Sonntag unauffällig hinter die neuen Einträge gemogelt. Am Sonntag war dasselbe schon mit Werten für Samstag passiert. Alle diese Zahlen waren unvollständig und widersprüchlich und die Presseseite der Stadt schwieg. Mindestens in der ersten Maihälfte waren deren Zahl grob falsch. Es ist keineswegs so, als wäre das jetzt erst aufgefallen. Es war der Kölner Pressestelle seit mindestens dem 4. April bekannt[5], ziemlich sicher schon länger vorher. Erst als es sich endgültig gar nicht mehr verschweigen ließ, wurde die Zahl der Entlassungen korrigiert. Eine Qualitätspresse, die kritisch recherchiert, Daten und Zusammenhänge verständlich darstellt und damit wilden Spekulationen und abseitigen Verschwörungstheorien, die in diesem Vakuum nicht zufällig derzeit um sich greifen, das Wasser abgräbt, suchen wir weiter vergeblich.

Es bestätigt sich jetzt also unzweifelhaft: Wir stehen an fast genau derselben Stelle wie schon am 13. März. Damals haben die harten Eingriffe – mit der erwartbaren Verzögerung – eine deutliche Wirkung gezeigt und heute sollen sie unnötig sein? Dann waren sie es damals schon. Die unwiderbringlichen Verluste des Tourismus allein belaufen sich für jeden Kölner – Säuglinge, Greise und Obdachlose mitgezählt – auf rund 1200 € – für jeden Steuerzahler also mindestens das doppelte. Und die Verluste laufen über Zulieferer, Verpächter, Lohnaufstockungen und anderes am Ende alle auf die Nettozahler zurück. Wohin auch sonst? Soweit erkennbar wurde der Abfall ungefähr am zweiten Mai[6] gebrochen. Selbst wenn es überraschenderweise zu keinem scharfen Neuanstieg käme, behalten wir jetzt den derzeitigen Zustand mit all seinen Auswirkungen für unbegrenzte Zeit.

Das war's dann. Wir klettern ganz nach unten zurück und fangen, bereits geschwächt, hungrig und durstig, noch einmal ganz von vorne an. Warum eigentlich habe ich genau davor schon im März so ausdrücklich gewarnt? Denn passiert ist es mir genau so auch schon:

Es gibt einen weit geschwungenen, sanft ansteigenden, längeren Weg nach oben und eine Abkürzung direkt den steilen Hang hinauf. Nach drei Vierteln der Strecke, außer Atem und mit schmerzenden Beinen, komme ich zur Einsicht, daß das eine dumme Idee war. Was jetzt? Umkehren, zurück an den Anfang und, bereits geschwächt, noch einmal ganz von vorn anfangen? Oder das letzte, schwere Viertel auch noch schaffen? Genau da standen wir in Köln, in NRW und und in Deutschland.

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1

An der Auswahl der darzustellenden Zahlenreihen und der Form der Darstellung könnte man sicher noch mäkeln, aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist, daß der Bürger sich überhaupt übersichtlich informieren kann. Eine logarithmische Darstellung, die in einer besseren Graphik als meine natürlich logarithmisch skalierte Absolutwerte und keine Logarithmen als Achsenbeschriftung hätte, wäre natürlich besser und aussagefähiger.     Zurück

2

Als weiterer freier Parameter geht in die Reproduktionszahl die Generationszeit ein, während die Verdoppelungszeit direkt und ohne weitere Annahmen aus den Daten folgt. Ich habe hier wie das RKI mit einer Generationszeit von vier Tagen gerechnet. Beide Werte beschreiben einen (abschnittsweise) exponentiellen Verlauf. Die Verdoppelungszeit ist die Zeit, in der sich der Wert jeweils verdoppelt und die Reproduktionszahl der Faktor, um den er alle vier Tage ansteigt. Sinnvoll ist die Angabe einer Reproduktionszahl also nur, solange der punktweise gerechnete Wert über eine gewisse Zeit konstant bleibt oder für Abschnitte, die wie oben in der logarithmischen Darstellung eine Gerade annähern. Als tageweiser Streuwert ist sie so aussagefähig wie die Temperaturen zweier Folgetage für eine Klimaprognose.

Die Reproduktionszahl ist hier eine sinnlose Angabe. Sie ist ein Parameter in detaillierten Modellbildungen und ein wichtiger Teil der Beschreibung und Charakterisierung eines Erregers in Medizin und Biologie. Hier, bei der reinen Beschreibung und Bewertung einer Ausbreitung aus Beobachtungsdaten, ist sie unpassend und verwirrt nur. Da aber staatliche Stellen neuerdings nur noch diese nennen, gebe ich sie zur besseren Vergleichbarkeit hier auch an.     Zurück

3

Würde ich das tun, sähe das Bild ganz erheblich überzeugender aus. Die Verdoppelungszeit beträgt dann nur 23 Tage und Reff = 1.13.     Zurück

4

Natürlich kann es gute Gründe geben, nach zwei Monaten von täglichen Meldungen auf einen etwas weniger häufigen Rhythmus umzustellen. So ein Schritt wird allgemein aber vorher angekündigt. Einen Tag nach dem Eingeständnis eines groben, verzerrenden Fehlers erst drei Tage in tiefes Schweigen zu fallen und dann die angebliche Begründung nachzuschieben, stinkt zum Himmel. „Wir haben drei Tage gebraucht, um nach dem Finden des Fehlers wieder Ordnung in das Zahlenwerk zu bringen.“ wäre, sollte es denn stimmen, anständig, glaubwürdig und ehrlich gewesen. Was wir stattdessen jetzt sehen, ist alles drei nicht.     Zurück

5

An diesem Tag schrieb ich:

„ Sehr geehrte Frau ...,

in Ihren Presseerklärungen betonen Sie immer wieder, daß in den Zahlen der Krankenhauspatienten auch Nicht-Kölner von auswärts enthalten sind. Das war jedem, der mitdenkt, ohnehin klar – und ist in Metropolen mit Universitätskliniken immer so – und ich betone es in meinem Blog. (Erneut: Bitte beachten Sie im Vergleich, daß man nur in der logarithmischen Darstellung und nicht auf Ihrer Seite etwas sinnvolles erkennt.)

Nachdem Sie den Hinweis gerade heute so besonders hervorheben, habe ich einen genaueren Blick auf die Zahlen geworfen.

Addiere ich die 860 Kölner Hausquarantänen, die 730 entlassenen Kölner und die 27 verstorbenen Kölner und ziehe die 1748 gemeldeten Kölner Infektionen ab, dann erhalte ich als Differenz genau die 131 gesamten Krankenhauspatienten. Andererseits haben auch die, nicht nur die Intensivfälle, einen Sprung am 29. März, dem Tag der Aufnahme aus Italien, gemacht.

Irgendetwas stimmt da nicht. Und wäre es nicht eigentlich Ihre Aufgabe, das zu merken?

Mit freundlichen Grüßen
Axel Berger “

Und die Reaktion? Ab diesem Tag wurde die Zahl der häuslichen Quarantänen verschwiegen und der Zusatz zu den Krankenhauszahlen weggelassen. Andere Änderungen? Keine.     Zurück

6

Bis ungefähr zu dem Tag waren alle Zahlen im Zusammenspiel noch recht plausibel und sollten hoffentlich nicht zu falsch sein.     Zurück