„Die Wissenschaft“ der wir angeblich alle folgen sollen, eine dogmatische ex-cathedra Verkündigung der reinen Lehre, hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Wissenschaft ist eine Methode, sie dient der Erkenntnisfindung. Wissenschaft ist das Verfahren, nicht das – immer vorläufige – Ergebnis.
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Ein unterrichtsgeeignetes, abschreckendes Beispiel, worum es dabei nicht geht, liefert Anja Lordieck im Westblick
des WDR. Worum geht es es? Es scheint eine Studie zu geben, nach der Infraschall von Windrädern Herz-Kreislauf-Erkarankungen fördert[1].
Tun sie das? Wir wissen es nicht. Nicht ein Wort wird gesagt über die Aussagen und Inhalte der Studie. Wir hören nichts als Behauptungen, Überheblichkeit und pures ad hominem. Die Spitze dabei bildet dieser Satz: „Welche Interessen stecken dahinter? Was hat er mit der Studie vor, was beabsichtigt er?“
Die Böswilligkeit dieser völlig unbelegt aus der Luft gegriffen Unterstellung ist unübertreffbar. Was beabsichtigt ein emeritierter Professor der Medizin, wenn er meint, einen Krankheitsauslöser gefunden zu haben, und sein Ergebis auf einer Fachtagung vorstellt? Wie so oft weisen Unterstellungen auf den zurück, der sie macht. Daß ein Mediziner auf seinem ureigenen Fachgebiet vor Fachkollegen Hypothesen zur Diskussion stellt, ist normal und bedarf keiner Begründung. Sehr viel plausibler ist eine Agenda dagegen bei einem parteipolitisch sehr einseitig aufgestellten[2], steuerfinanzierten Regierungssender. Es geht hier um ein gegen Widerstände aus der Bevölkerung und gegen Einwände der Naturschutzverbände durchgedrücktes Lieblingsprojekt der Regierungs- und Berufspolitik.
Um diese Art der Berichterstattung bewerten zu können, vergleiche man sie mit den völlig unkritisch als erwiesen dargestellten Berichten über die Gesundheitsauswirkungen durch Verkehrslärm an Hauptstraßen. Wohnungen an solchen Straßen sind aus gutem Grund besonders billig und die Bewohnerschaft unterscheidet sich in vielfacher sonstiger Hinsicht von der Gesamtbevölkerung. Auch das sind nur deskriptive Beobachtungsstudien, sie werden aber ohne jeden Warnhinheis als erwiesene Wahrheit wiedergegeben.
Ein weiteres bekanntes Besipiel ist die haltlose Panikmache über die in Deutschland hochverdünnte und sehr kurzfristige Jodwolke nach Chernobyl. Wie heißt es hier zum Infraschall: „Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.“
und „Das Umweltbundesamt sagt, daß seine Studien keinen Zusammenhang gefunden haben.“
Hier ist das der schlagende Gegenbeweis, um die Hypothese vom Tisch zu wischen. Dort wurden genau gleichlautende Aussagen mit Hohngelächter als jedes Kommentars unwürdig abgewiesen.
Siehe dazu auch Zehntausende Tote bei Reaktorunfall und Die ARD lügt (III) und Hetzartikel und Lügengeschichten 25 Jahre nach Chernobyl.
Es gelang mir das bewußt verschwiegene Poster P-15-07 als Kurzbericht ohne Abbildungen im Abstractband
dennoch zu finden.
Es wurden zwei in jeder anderen Hinsicht fast genau gleiche exponierte und zwei Kontrollkommunen identifiziert und Fallzahlen aus Krankenversichtungsstatistiken verglichen. Berichtet werden die beiden exponierten Gemeinden relativ zu einer der beiden Kontrollgemeinden. Die Fallzahlen sind hochsignifikant deutlich verschieden und waren dem Bericht zufolge vor der Auswahl der zu vergleichenden Gemeinden unbekannt. Die zweite Kontrollgruppe bleibt auffallenderweise vollständig unerwähnt. Eine rein deskriptive Beobachtungsstudie dient generell allein der Hypothesenbildung und kann den Anlaß zu einer weitergehenden Untersuchung bieten. Mehr kann und will ein solcher Kurzbeitrag auf einer Fachtagung nicht tun.
Dieser tut allerdings nicht einmal das. Inzwischen fand ich mit KI-Hilfe auch das Poster
. Es zeigt zeitliche Entwicklungen über die, laut Text, Aufbauphase der Windkraft. Für Rhythmusstörungen lagen die „exponierten“ Gemeinden von Anfang an höher und der Abstand endet geringer. Der leichte Buckel dazwischen muß in einer Dosis-Wirkung-Beziehung andere Ursachen haben.
Die Herzinsuffizienz beginnt bei 160 % der Referenz und endet nach einem fast linearen Abfall nahezu gleichauf. Das genaue Gegenteil der Behauptung. Hilft Infraschall, schwache Herzen zu kräftigen? Mit einem Rundfunk, der seinem Bildungsauftrag auch nur ansatzweise gerecht würde, hätte ich mir die ganze Suche und diesen Beitrag sparen können.
„Das können wir aktuell nicht belegen.“
Gemeint ist: Es gibt nicht den Hauch eines Hinweises darauf, aber es entspricht unseren Vorurteilen und wir behaupten es einfach einmal. Wer genau hinhört, hört auch „das ist erstmal ’ne These, eine Spekulation“
. Aber in Diktion und Betonung wird das stark in den Hintergrund gerückt, der bewußt und gezielt erzeugte Eindruck ist ein anderer. Von der Form her ist so etwas reine Propaganda, kein sachlicher Bericht.
Mein Vorwissen und Bauchgefühl lassen sie mich für vermutlich falsch halten. Das ist aber kein Grund, diese Meinung mit der Arroganz der Radiomoderation als alleinseligmachede Kirchenlehre herauszuposaunen, sondern nur die Anregung, die Studie selbst kritisch zu lesen. Das haben die Moderatoren natürlich nicht getan und mit dem Verschweigen der Quelle nehmen sie auch mir die Gelegenheit dazu. So etwas ist das genaue Gegenteil von Wissenschaftreportage. Zurück
Dazu gibt es zahlreiche selbst durchgeführte und selbst veröffentlichte Umfragen unter den redaktionellen Mitarbeitern. Zurück